Das Problem „Schnarchen“ ist jedem geläufig. Entweder selbst als Betroffener oder als „chronisch leidender Schlafpartner“ hat man mit dem Schnarchen seine Erfahrungen gemacht. Wenigen ist aber bewußt, dass das Schnarchen eine ernste Schlafstörung sein kann. Ein erholsamer Schlaf ist die Voraussetzung, damit wir am Tag fit und leistungsfähig sein können.

Im gesunden Schlaf durchlaufen wir verschiedene Schlafstadien. Das Gehirn verarbeitet die Erlebnisse vom Tag oder aus der Vergangenheit. Die Stoffwechselfunktionen werden gedrosselt. Unser Organismus geht in eine Regenerationsphase. Blutdruck und Puls sind abgesenkt.
An Engstellen im oberen Atemtrakt entstehen Strömungsgeräusche, die wir als Schnarchgeräusche wahrnehmen. Sehr häufig ist der Auslöser ein schlaffes Gaumensegel und ein etwas vergrößertes Gaumenzäpfchen. Aber auch andere Engstellen zum Beispiel in der Nase (Polypen, eine verbogene Nasenscheidewand, Tumore) und im Rachen (große Gaumenmandeln, eine große Zunge und Tumore) können Schnarchgeräusche verursachen.
Bei starker Gewichtszunahme lagert sich Fett im Schlundbereich ab und der Patient beginnt zunehmend zu schnarchen. Anfänglich ist das Schnarchen nur in Rückenlage. Mit der Zeit schnarcht der Betroffene dann aber in allen Körperlagen.

Nehmen die Engstellen weiter zu, kann es geschehen, dass der Atemtrakt im Schlund sich kurzzeitig verengt. Die Folge ist ein Erstickungsanfall. Der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt und löst im Gehirn eine „Weckreaktion“ aus. Der Patient wird oft mit einem lauten, schnaubenden Geräusch aus dem Schlaf gerissen und beginnt aber dann meist wieder zu schnarchen. Die Anzahl und Dauer der Erstickungsphasen bestimmen den Schweregrad des Schlafapnoesyndroms.

Alkohol und zentral dämpfende Medikamente vermindern die Muskelspannung im Schlund und begünstigen so das Schnarchen. Im hohen Alter wird die Gaumenmuskulatur und die Schleimhaut schlaffer, wodurch ebenfalls viele Menschen verstärkt zu schnarchen beginnen. Starke Gewichtszunahme ist einer der häufigsten Faktoren, die das Schnarchen auslösen. Allergien und Rauchen sind ebenfalls dafür bekannt.
Regelmäßiges Schnarchen stört den gesunden Schlaf und ist sowohl für den Schnarcher als auch für den Partner ein echtes Problem.
Viele Schnarcher leiden unter Heiserkeit und sind im Hals völlig ausgetrocknet. Die gesunde Schleimdecke ist geschädigt – chronische Rachenentzündungen sind meist die Folge. Oft aber geht das Schnarchen mit Erstickungsanfällen einher. Darum haben Schnarcher ein wesentlich höheres Risiko einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen. Die chronische Müdigkeit und die Neigung zum Sekundenschlaf sind der Grund für ein höheres Autounfallrisiko. Auch Potenzprobleme treten bei Schnarchern gehäuft auf.
Der Schlaf des Partners ist durch das Schnarchen oft ebenfalls schwer gestört. Die erholsamen Tiefschlafphasen werden meist nicht erreicht. Gereiztheit, Depressionen und chronische Müdigkeit sind die Folge. Die effektive Schlafdauer ist bis zu zwei Stunden verkürzt. Getrennte Schlafzimmer sind nicht zu vermeiden.
Medizinisch unterscheidet man zwischen einem harmlosen und einem gefährlichen Schnarchen. Mit Hilfe eines einfachen Fragebogens kann der Patient mit seinem Schlafpartner das Schnarchproblem selbst beurteilen.
Fragebogen für Schnarcher
Bewerten Sie die folgenden Fragen mit Zahlen von 1 - 7(1=nie, 2=sehr selten, 3=gelegentlich, 4=öfters, 5=sehr oft, 6=fast immer, 7=immer)
....... Schlafen Sie tagsüber ein, besonders, wenn Sie nicht tätig sind?
....... Sind Sie am Morgen wie gerädert?
....... Schnarchen Sie jede Nacht?
....... Wachen Sie durch Atemnot oder durch Ihre Schnarchgeräusche auf?
....... Haben Sie beim Aufwachen Kopfschmerzen?
....... Leiden Sie tagsüber unter chronischer Müdigkeit?
....... Drehen Sie sich im Schlaf oft im Bett herum?
....... (Summe) : 7 = ............ Apnoeindex (OSA -Syndrom wenn Wert über 2,5)
Wird der kritische Wert von 2,5 überschritten, ist eine Schlafscreeninguntersuchung und eine medizinische Beratung angezeigt!
Patienten mit einem Schnarchproblem kann die moderne Medizin meist sehr gut helfen. Der erste Schritt ist ein ärztliches Gespräch. Es werden die Lebensumstände und die Beschwerden erfasst. Im weiteren wir eine Untersuchung des Patienten und seines Schlafverhalten veranlasst.
Eine HNO Untersuchung soll mögliche Engstellen im oberen Atemtrakt aufdecken. Im Anschluss bekommt der Patient einen Fragebogen zur Selbstevaluierung. Das weitere Vorgehen wird mit dem Betroffenen besprochen.
Engstellen im oberen Atemtrakt können auch durch gezielte Röntgenuntersuchungen objektiviert werden. Besonders hilfreich ist ein coronares NNH-Ct in Bauchlage. Die Nasenmuscheln schwellen in dieser Position besonders an. Die Ursache einer behinderten Nasenatmung kann dadurch gut lokalisiert werden. Weitere Engstellen im Schlund können mit einer seitlichen Aufnahme von Kopf und Hals beurteilt werden.
Bei Patienten mit Verdacht auf ein OSA-Syndrom (Schlafapnoesyndrom) wird ein ambulantes Schlafscreening durchgeführt. Der große Vorteil für den Patienten besteht darin, dass die Untersuchung genau in der Situation durchgeführt wird, in der er schnarcht. Der Patient bekommt einen Minicomputer für eine Nacht mit nach Hause. Das Gerät wird speziell für den Patienten programmiert und zeichnet eine Nacht lang Schnarchgeräusche, Atmung, Blutdruck, EKG und Körperlage auf. Die Auswertung erfolgt dann am PC und ermöglicht eine optimale Beurteilung des Schlafverhaltens. Auch der Erfolg einer möglichen Operation kann dadurch abgeschätzt werden.

Fällt das Schlafscreening des Patienten sehr schlecht aus, ist eine weitere Untersuchung im Schlaflabor erforderlich. Dort wird dann der Befund des Schlafscreenings kontrolliert und ev. eine Beatmungsmaschine angepasst. Der Patient wird wie beim ambulanten Schlafscreening mit Sonden verkabelt. Zusätzlich werden Gehirnströme (EEG), Muskelzuckungen an den Extremitäten und ein Video vom schlafenden Patienten aufgezeichnet. Eine Assistentin überwacht die ganze Nacht über die Untersuchung. Sollte sich eine Sonde lösen, wird das sofort entdeckt und berichtigt.
Zur Behandlung des Schnarchens steht heute eine breite Palette von Möglichkeiten zur Verfügung. Je nach Schlafscreeningbefund wird ein individueller Behandlungsplan erstellt.
Bei leichtem Schnarchen ist meist eine bewusste Lifestyleänderung schon ausreichend. Wichtig dabei ist Gewichtsreduktion, regelmäßige körperliche Bewegung und gezielte Ernährung.
Bei manchen Patienten sinkt in der Nacht der Unterkiefer zurück und engt dadurch den Schlund ein. In diesen Fällen kann durch eine spezielle Schnarcherschiene oft das Problem wesentlich gebessert werden.
Durch Kräftigung der Schlund und Gaumenmuskulatur und Anpassung einer OSP (oralen Stimmulationsplatte) kann eine Verbesserung des Schnarchens erzielt werden.
Am Markt sind einige Rachensprays verfügbar, die das Schnarchen vermindern. Der Erfolg ist bescheiden und eher nur kurzfristig z.B. für Urlaube zu empfehlen, wenn getrennte Schlafzimmer nicht möglich sind. Auch Präparate, die das Atemzentrum aktivieren, können hilfreich sein.
Oft ist das Schnarchen in Rückenlage besonders ausgeprägt. Auch Atemstillstände treten in Rückenlage gehäuft auf. Durch ein einfaches Lagetraining kann der Patient sich eine seitliche Schlafposition einlernen.
Engstellen in der Nase und im Rachen bedürfen einer chirurgischen Sanierung. Schon im Kindesalter können extrem große Wucherungen und Mandeln die Ursache von Scharchen sein. Es ist oft für Eltern sehr eindrucksvoll, wenn die Kinder nach der Operation völlig leise ohne Schnarchen schlafen können. Aber auch im Erwachsenenalter ist eine Sanierung der Engstellen sinnvoll. So ist bei Patienten mit stark behinderter Nasenatmung die Anpassung einer Beatmungsmaske erst nach operativer Sanierung der Nase möglich. Ein extrem großes Gaumenzäpfchen und ein schlaffes Gaumensegel können einfach gestrafft werden. Das Schnarchen kann durch eine Operation oft sehr rasch gebessert werde. Es ist aber nicht bei jedem Patienten eine Operation angezeigt.
Patienten mit einem deutlich ausgeprägten Schlafapnoesyndrom brauchen eine Beatmungsmaske. Über eine spezielle Nasenmaske wird der Atemstrom so verstärkt, dass der Schlund nicht zusammenfallen kann und die Atemwege frei bleiben. Erstickungsphasen können damit vermieden werden. Die Patienten können sich in der Nacht endlich wieder richtig erholen und fühlen sich am Morgen wie neu geboren. Es wird diese Atemmaske aber nicht von jedem akzeptiert und regelmäßig verwendet.

Schnarchen zersägt, im wahrsten Sinn des Wortes, den gesunden Schlaf. Eine medizinische Abklärung zeigt den „IST-Zustand“ und deckt die auslösenden Faktoren auf. Für den Schnarcher wird nun individuell ein Behandlungsplan (Livestyleänderung - Medikamente - OP - Beatmungsmaske) erstellt.
Ein Schwerpunkt in meiner Ordination ist die Abklärung, Beratung und Behandlung von Schnarchern. Wir bieten im Bedarfsfall ein ambulantes Schlafscreening an und arbeiten mit verschiedenen Schlaflabors zusammen. Schnarcheroperationen werden von mir persönlich in der Privatklinik Döbling durchgeführt.